von Katia Ernst | Sep. 22, 2026 | Artikel
Eine aktuelle Studie des Northwestern Innovation Institute zeigt: KI-unterstützte Förderanträge hatten zwar höhere Bewilligungsquoten und führten zu mehr Publikationen, jedoch nicht zu mehr Durchbrüchen. Im Gegenteil: Sie tendierten dazu, bestehende Fördermuster zu reproduzieren statt neue Ideen einzubringen. Das sollte Fördermittelverantwortliche aufhorchen lassen.
Als Team, das sich mit Content und Förderanträgen beschäftigt, beobachten wir seit einiger Zeit, wie KI das Schreiben verändert. Bestimmte Formulierungen, eine gewisse glatte Eloquenz ohne echte Substanz dahinter… man entwickelt ein Gespür dafür. Was für uns eine berufliche Beobachtung ist, hat für Fördergebende eine ganz andere Tragweite.
Denn wenn ein Antrag überzeugend klingt, aber nicht die tatsächliche Idee oder Kompetenz einer antragstellenden Person widerspiegelt, gerät die Wirkung der Förderung in Gefahr.
Förderprogramme beruhen auf dem Versprechen, die besten Ideen und die geeignetsten Antragstellenden zu unterstützen. Dieses Versprechen gerät unter Druck, wenn große Sprachmodelle in wenigen Sekunden strukturierte, überzeugende Anträge generieren können.
Dabei ist die Technologie an sich nicht das eigentliche Problem. Viele Antragstellende nutzen KI-Tools zu legitimen Zwecken, wie zur Übersetzung oder Strukturierung von Gedanken. Kritisch wird es erst, wenn ganze Anträge ohne eigene inhaltliche Substanz generiert werden. Fördermittelverantwortliche und Gutachtende stehen dann vor der schwierigen Aufgabe, Täuschung zu erkennen, ohne ehrliche Antragstellende unter Generalverdacht zu stellen.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem, da KI-Tools nicht gleichmäßig zugänglich sind. Antragstellende mit besseren technischen Ressourcen oder mehr Erfahrung im Umgang mit KI haben einen Vorteil, unabhängig von der Qualität ihrer eigentlichen Arbeit. Was als Hilfsmittel gedacht ist, kann so zu einem weiteren Faktor von Ungleichheit werden.
Wer früh handelt, hat einen echten Vorteil. Förderprogramme, die das Thema frühzeitig und transparent angehen, stärken das Vertrauen bei Antragstellenden, Gutachtenden und Geldgebern gleichermaßen. Führende Förderorganisationen weltweit haben das erkannt und handeln bereits.
Eine gemeinsame Erklärung des Research Funders Policy Group formuliert klare Erwartungen: KI-Tools dürfen unterstützend eingesetzt werden, etwa zur Sprachverbesserung oder Formatierung. Nicht erlaubt ist hingegen die Generierung ganzer Anträge ohne eigene inhaltliche Beteiligung. Gutachtende dürfen vertrauliche Anträge grundsätzlich nicht in öffentliche KI-Tools eingeben. Und Förderentscheidungen bleiben stets in menschlicher Hand.
Diese Richtlinie zeigt, dass KI nicht pauschal abgelehnt werden muss. Vielmehr geht es darum, einen verantwortungsvollen Umgang zu definieren und transparent zu kommunizieren.
Ein wirksamer Ansatz erfordert gut geschulte Gutachtende und technische Unterstützung, die ineinandergreifen. Und weil die Prüfung von Anträgen oder Autorschaftsnachweisen sensible Daten berührt, sollte Datenschutz im Mittelpunkt stehen. Eine Plattform, die das von Grund auf mitdenkt, erleichtert den gesamten Prozess erheblich. Wie Good Grants das umsetzt, lesen Sie hier: Good Grants führt sichere, datenschutzorientierte KI-Tools ein.
Wie gehen Sie konkret vor? Folgende Ansätze haben sich bewährt.
1. Definieren Sie klare Richtlinien und kommunizieren Sie sie aktiv. Legen Sie fest, welche Nutzung von KI-Tools erlaubt ist und welche nicht, und machen Sie das in Ihren Ausschreibungsunterlagen deutlich sichtbar. Antragstellende können sich nur an Regeln halten, die sie kennen. Orientieren Sie sich dabei an bestehenden Branchenstandards wie der gemeinsamen Erklärung des Research Funders Policy Group, und passen Sie diese an Ihren spezifischen Förderkontext an.
2. Schulen Sie Ihre Gutachtenden. Typische Merkmale KI-generierter Texte sind glatte, strukturierte Sprache bei gleichzeitiger inhaltlicher Oberflächlichkeit, repetitive Satzmuster wie „Es ist nicht X, sondern Y“ oder Aufzählungen in Dreiergruppen.
Wichtig: Ein einzelnes Merkmal ist kein Beweis. Erst wenn sich mehrere Auffälligkeiten häufen, ist eine genauere Prüfung gerechtfertigt. Schließlich haben KI-Sprachmodelle ihren Stil auch nur von Menschen gelernt und nutzen Stilmittel, die wir selbst etabliert haben. Ich selbst neige in meinen Texten zu Dreierstrukturen. Das macht mich noch nicht zum Sprachmodell.
3. Setzen Sie Erkennungstools unterstützend ein. Es gibt Tools, die einschätzen können, ob ein Text KI-generiert ist. Sie liefern jedoch Wahrscheinlichkeiten, keine Beweise. Nutzen Sie sie daher nur als einen Hinweis unter mehreren. Ähnliches gilt für die Plagiatsprüfung, die in vielen Förderprogrammen bereits etabliert ist. Der systematische Ansatz lässt sich gut auf KI-Inhalte übertragen.
4. Ermöglichen Sie Klärung statt sofortiger Ablehnung. Geben Sie Antragstellenden bei Verdachtsfällen die Möglichkeit, ihre Arbeit zu erläutern oder zu belegen. Das schützt vor Fehlentscheidungen, wahrt die Würde der Antragstellenden und stärkt die Glaubwürdigkeit Ihres Vergabeprozesses.
5. Denken Sie Gleichberechtigung mit. Wenn Sie Richtlinien zur KI-Nutzung entwickeln, bedenken Sie: Nicht alle Antragstellenden haben den gleichen Zugang zu KI-Tools oder gleiches Wissen im Umgang damit. Eine reine Verbotspolitik kann zudem diejenigen benachteiligen, die legitim von Sprachunterstützung profitieren, etwa mehrsprachige Antragstellende. Differenzierte Regeln sind fairer als pauschale Verbote.
6. Dokumentieren Sie Ihre Entscheidungen. Halten Sie fest, aus welchen Gründen ein Antrag näher geprüft oder abgelehnt wurde. Das schafft Nachvollziehbarkeit, schützt Ihr Programm bei Rückfragen und hilft Ihnen, Ihre Kriterien über Förderzyklen hinweg weiterzuentwickeln.
7. Konfigurieren Sie Ihre Plattform entsprechend Ihren Anforderungen. Jedes Förderprogramm hat eigene Anforderungen an Prüfprozesse, Freigaben und Datenschutz. Eine konfigurierbare Plattform erlaubt es, individuelle Workflows abzubilden, etwa mehrstufige Prüfungen oder gezielte Rückfragen an Antragstellende, ohne die Kontrolle über sensible Daten aus der Hand zu geben.
KI-generierte Anträge werden Förderprogramme auch in Zukunft beschäftigen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob KI eingesetzt wird, sondern ob die Förderung dort ankommt, wo echte Ideen und echter Bedarf bestehen. Fördermittelverantwortliche, die jetzt klare Richtlinien etablieren, Gutachtende schulen und auf eine verlässliche, datenschutzkonforme Plattform setzen, sind darauf vorbereitet.
Good Grants unterstützt Förderprogramme weltweit dabei, genau diese Frage zu beantworten, mit Lösungen, die Sicherheit, Datenschutz und Fairness in den Mittelpunkt stellen. Möchten Sie sehen, wie das in der Praxis aussieht? Testen Sie Good Grants 14 Tage lang kostenlos.
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